BURN-OUT bekommen nur Weicheier

Oder doch nicht? Warum Burn-out nichts mit Schwäche zu tun hat und warum es gerade auch High Performer trifft.

„Burn-out? Das passiert doch nur Menschen, die mit Stress nicht umgehen können.“

Wirklich?

Vielleicht trifft es manchmal gerade diejenigen, von denen man es am wenigsten erwartet: Menschen, die Verantwortung übernehmen, hohe Ansprüche an sich stellen und über lange Zeit außergewöhnlich viel leisten.

Sie machen Überstunden, übernehmen zusätzliche Aufgaben, sind ständig erreichbar und beantworten selbst im Urlaub noch ihre E-Mails.

Sie funktionieren. Bis sie irgendwann nicht mehr können.

Burn-out ist keine Frage von Stärke oder Schwäche. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt es als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde.

Wenn Belastung normal wird

Überlastung kommt selten mit einem großen Knall. Sie wächst meistens schleichend.

Wie bei einer Gewichtszunahme: Nach dem ersten Burger hat man nicht plötzlich zehn Kilogramm mehr auf den Hüften. Es ist ein längerer Prozess. Ein bisschen mehr Kalorien, ein bisschen weniger Bewegung und irgendwann fühlt sich der neue Zustand normal an.

Mit Arbeitsbelastung kann es ähnlich sein. Aus einer zusätzlichen Stunde wird Gewohnheit. Aus einer stressigen Woche werden mehrere. Aus einer Ausnahme ein Dauerzustand.

Irgendwann fühlt sich ein Arbeitspensum, das früher eindeutig zu viel gewesen wäre, ganz normal an.

Die Auswirkungen, wenn es zu viel wird, können vielfältig sein: Psychisch, körperlich oder beides zugleich.

Meine persönliche Erfahrung

Ich kenne diese Entwicklung nur zu gut.

2017 war ich in meiner fünften Saison als Heliski-Guide in Georgien. Als Leadguide war ich für Vorbereitung, Guiding und Nachbereitung verantwortlich. Mein Arbeitstag endete jedoch nicht mit dem letzten Flug: Ich kümmerte mich um Kunden, fotografierte, bearbeitete die Bilder oft bis nach Mitternacht und erstellte Social-Media-Beiträge. Gleichzeitig führte ich von Georgien aus meine Alpinschule in Österreich weiter und trainierte zwischendurch mit den Kollegen.

Ich wollte das alles. Es machte mir Spaß. Ich wollte etwas aufbauen und gute Arbeit leisten. Überlastet fühlte ich mich nicht, obwohl der Workload sehr hoch war.

Dann kam scheinbar aus heiterem Himmel ein schwerer Skiunfall.

Es folgten die Heimreise mit der Tyrolean Air Ambulance, eine Operation und 10 Wochen Rehabilitation. Fünf Monate später war ich wieder zurück im Business.

Damals dachte ich: Pech gehabt. Ein Unfall. Das passiert eben.

Erst viel später betrachtete ich meine damalige Lebenssituation anders. Ich erkannte, dass ich über längere Zeit eine enorme Belastung aufgebaut und meine Grenzen kaum wahrgenommen hatte.

Nicht fünf Baustellen gleichzeitig. Einfach nur ich.

Nach dem Unfall war ich gezwungen, mich ausschließlich um mich selbst zu kümmern. Und plötzlich spürte ich eine unglaubliche Leichtigkeit, als ob ich einen schweren Rucksack ablegen konnte.

Burn-out ist nicht nur eine private Angelegenheit

Burn-out ist nicht einfach die Folge davon, dass jemand „zu viel arbeitet“. Auch die Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle. Zeitdruck, lange Arbeitszeiten, zu wenig Personal, fehlender Einfluss, mangelnde Unterstützung oder schlechte Organisation können psychische Belastungen verstärken.

Deshalb greift auch der Begriff Work-Life-Balance viel zu kurz. Natürlich brauchen wir Erholung. Aber wenn wir täglich gegen unsere Bedürfnisse arbeiten und unsere Freizeit hauptsächlich dazu verwenden, uns davon zu erholen, ist das keine langfristige Lösung.

Vielleicht geht es weniger darum, die perfekte Balance zu finden.

Vielleicht geht es darum, Arbeit und Leben so zu gestalten, dass sie langfristig zu uns passen.

Stärke bedeutet nicht, alles auszuhalten

In meiner Arbeit als Coach erlebe ich Menschen, die funktionieren, liefern und Verantwortung übernehmen. High Performer. Nach außen sieht vieles gut aus. Innerlich merken sie jedoch: So kann es nicht ewig weitergehen.

Überlastung ist kein Beweis für mangelnde Stärke. Manche Menschen haben sehr lange sehr viel getragen, bevor sie bemerkt haben, dass ihre persönliche Rechnung nicht mehr aufgeht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Wie viel kann ich noch aushalten?“

Sondern:

„Wie lange möchte ich noch so weitermachen?“

Wenn du merkst, dass deine Arbeit, dein Alltag oder deine eigenen Ansprüche dauerhaft mehr Energie kosten, als du zurückbekommst, musst du nicht erst am Limit angekommen sein.

Manchmal hilft schon ein Blick von außen, um zu erkennen, was sich verändern darf.

Ist es für dich Zeit, etwas zu verändern?

Dann melde dich gerne bei mir.

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