Das Ego -Dein Beschützer und Stolperstein

Erfahre, wie du dein Ego als Führungskraft richtig nutzt, statt es blockieren zu lassen.

Das Ego Problem für Führungskräfte, ©Rene Guhl
Das Ego Problem für Führungskräfte, ©Rene Guhl
Das EGO, unser ständiger Begleiter.

Im Führungskontext ist das Ego ein ständiger Begleiter. Kaum ein Begriff wird so oft diskutiert und so oft missverstanden. Für die einen ist das Ego ein Feind, für andere ein Ausdruck von Selbstbewusstsein. Die Wahrheit ist: Das Ego ist weder gut noch schlecht. Es ist menschlich und hat eine klare Funktion: Es schützt unser Selbstbild.

Warum uns das Ego schützt und gleichzeitig blockiert

Das Ego hilft uns, Haltung zu zeigen, Grenzen zu setzen und in schwierigen Situationen standhaft zu bleiben. In gesunder Form verleiht es Rückgrat und Stabilität. Problematisch wird es, wenn das Ego unser Handeln zu stark steuert: Es will Recht behalten, gut dastehen und Fehler vermeiden.

Für Führungskräfte kann das fatale Folgen haben:

  • Feedback wird nicht als Chance wahrgenommen, sondern als Angriff.

  • Unsicherheiten werden versteckt, statt offen angesprochen.

  • Entscheidungen werden aus Stolz festgehalten, obwohl sie nicht mehr passen.

Das Ergebnis: Ein stiller Widerspruch zwischen dem Wunsch zu wachsen und dem Vermeiden von kurzfristigem Unbehagen.

Zu viel oder zu wenig Ego – die Extreme

Überangepasstes Ego:

Ein überangepasstes Ego zeigt sich, wenn wir uns zurückhalten, oft Ja sagen, obwohl wir Nein meinen, unsere Meinung nur zögerlich äußern oder Kritik sofort persönlich nehmen. Wir orientieren uns stark an anderen, um Konflikte zu vermeiden, und fühlen uns innerlich verletzlich. Auf den ersten Blick wirkt dies vielleicht ruhig oder kooperativ, doch innerlich sind wir unsicher und abhängig von äußerer Bestätigung.

Erkennung:

  • Immer „Ja“ sagen, obwohl man „Nein“ meint

  • Eigene Meinung zurückhalten

  • Ständig auf Bestätigung von außen warten

Dominantes Ego:

Ein dominantes Ego wirkt nach außen souverän, ist innerlich jedoch oft angespannt. Wir müssen Diskussionen gewinnen, rechtfertigen uns vorsorglich oder tun uns schwer, Fehler oder Wissenslücken einzugestehen. Wir halten an Entscheidungen fest, obwohl wir längst spüren, dass sie nicht mehr passen. Ein starkes Ego schützt uns, schränkt uns aber ein, insbesondere in Beziehungen, Lernfähigkeit und persönlicher Entwicklung.

Erkennung:

  • Diskussionen müssen gewonnen werden

  • Fehler werden selten zugegeben

  • Innere Alarmbereitschaft ist konstant


Den Abstand zum Ego finden

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir ein überangepasstes oder ein dominantes Ego haben, sondern ob wir es wahrnehmen, bevor es unser Handeln zu sehr steuert. Wer erkennt, wann das Ego aktiv ist, kann innehalten, Abstand gewinnen und bewusst entscheiden, ob er aus Schutzimpuls oder aus innerer Sicherheit handelt.

Ein hilfreicher Hinweis ist, auf die eigene Körperreaktion zu achten. Enge im Brustraum, ein sofortiger Rechtfertigungsimpuls oder ein inneres „Ja, aber…“ sind oft sichere Zeichen, dass das Ego gerade aktiv ist. Statt sofort zu reagieren, kann eine einfache Frage viel verändern: Was will ich gerade schützen? Diese kurze Pause schafft Abstand zwischen Reiz und Reaktion.

Ego trainieren und innere Sicherheit stärken

Ein weiterer Schritt ist, Selbstwert und Verhalten voneinander zu trennen. Wir sind nicht unsere Fehler, wir sind nicht unsere Unsicherheit, wir sind nicht unsere falschen Entscheidungen. Wer sich innerlich erlauben kann zu sagen: „Ich darf mich korrigieren, ohne mich selbst infrage zu stellen“, nimmt dem Ego den ständigen Verteidigungsdruck.

Das Ego lässt sich trainieren: Innere Stabilität bedeutet nicht, das Ego kleinzumachen, sondern sich selbst den Raum zu geben, Fehler und Unsicherheiten zuzulassen:

  • Bewusst um Hilfe bitten

  • „Das weiß ich nicht“ sagen

  • In Diskussionen wirklich zuhören, ohne sofort zu antworten

Dieses Training stärkt die innere Sicherheit und ermöglicht ein reifes Verhältnis zum eigenen Ego.

Nicht das Ego wird dadurch kleiner, sondern unsere innere Stabilität wird größer.

Die Wirkung auf Beziehungen

Gerade in Beziehungen und im Arbeitsalltag zeigt sich der Unterschied besonders deutlich. Wenn es uns wichtiger ist, Recht zu haben, als verstanden zu werden, spricht meist das Ego. Wenn wir aktiv zuhören können, ohne uns innerlich zu verteidigen, entsteht Raum für echte Verbindung.

Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke zum Thema Ego: Es schützt nicht nur unser Selbstbild, es beeinflusst auch, wie wir miteinander umgehen. Ein reifes Verhältnis zum eigenen Ego bedeutet nicht, sich zurückzunehmen oder kleiner zu werden, im Gegenteil, es bedeutet, innerlich stabil genug zu sein, um sich selbst nicht ständig verteidigen zu müssen.

Das Ego ist immer da, doch wir können entscheiden, wie es uns beeinflusst.

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