Ich darf jetzt nur nicht abstürzen!

Warum wir oft genau das bekommen, was wir eigentlich vermeiden wollen.

Ziele Erreichen_Rene Guhl, Coaching & Training für Führungskräfte und Teams
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Der Moment, in dem alles kippt

Vor Kurzem war ich mit einem Kunden klettern, als uns ein paar hundert Meter über dem Boden eine Kaltfront erwischte. Zuerst Regen, dann Hagel. Der Fels war nass und rutschig. Der Wind hat aufgefrischt. Die Kälte kroch durch unsere nasse Kleidung und vor uns lag nur noch eine letzte Seillänge bis zum Gipfel. Mein Gast wurde sichtlich angespannt. Ich startete in die letzte nasse Seillänge.

Und dann passierte es.

Dieser eine Gedanke. „Ich darf jetzt nur nicht ausrutschen.“ Sofort bemerkte ich, wie sich mein Fokus veränderte: Mein Blick richtete sich nicht mehr auf den nächsten Griff, sondern auf das, was auf keinen Fall passieren durfte. Und genau hier beginnt das eigentliche Problem.

Und das ist kein Zufall

Vor Kurzem habe ich einem Impulsvortrag über Ziele gesprochen. Dabei wurde einmal mehr deutlich: Viele Menschen scheitern nicht an fehlenden Zielen, sondern an der falschen Zielrichtung und an der Art, wie sie ihre Ziele formulieren. Statt klar zu sagen, was sie wirklich wollen, kommen Sätze wie „Ich will nicht versagen.“ oder „Ich will nicht streiten.“ Solche Formulierungen klingen vernünftig. Sind sie aber nicht. Denn das Gehirn arbeitet anders, als wir denken.

Was im Kopf wirklich passiert

Das Gehirn versteht keine Verneinung, ohne zuerst das Bild zu erzeugen.
„Nicht scheitern“ bedeutet zuerst: Scheitern sehen.
„Nicht abstürzen“ bedeutet zuerst: Abstürzen sehen.

Und genau dieses Bild bekommt Energie. Nicht das „Nicht“, sondern das Bild davor.

Und jedes Mal, wenn sich dieser Gedanke wiederholt, wird er stärker. In unserem Gehirn entstehen immer stärkere neuronale Verbindungen, bis der Gedanke irgendwann nicht mehr nur ein Gedanke ist, sondern ein inneres Muster.

Das Leben beginnt dann, diesem Muster zu folgen.

Und das Faszinierende ist: Das passiert nicht nur in Extremsituationen.
Es passiert jeden Tag. In Gesprächen. In Gedanken. Im Coaching. Viele Menschen wissen zwar ganz genau, was sie nicht wollen, tun sich aber schwer damit, das Gegenteil zu definieren. Eine Klientin sagte zu mir: „Ich will auf keinen Fall so werden wie meine Mutter. Aber irgendwie merke ich, dass ich ihr immer ähnlicher werde.“

Den Fokus neu ausrichten

Die gute Nachricht ist: Wir sind diesem Mechanismus nicht hilflos ausgeliefert. Statt Vermeidungsziele zu formulieren, lohnt es sich, den Gedanken in das zu verwandeln, was du wirklich willst (Annäherungsziel).

Aus „Ich will nicht so werden wie meine Mutter“ wird zum Beispiel: „Ich möchte ruhig, gelassen und respektvoll handeln.“

Wenn sich schon ein Gedankenmuster gefestigt hat, ist es wichtig, das alte Muster bewusst zu unterbrechen und ein neues zu etablieren. Entscheidend ist nicht nur das Umformulieren, sondern auch das Wiederholen des neuen Satzes, damit sich ein klares inneres Bild entwickeln kann.

Genau deshalb funktionieren auch Vision-Boards:

Darauf hängen z.B. Bilder vom Traumhaus, vom Wunschurlaub, oder von Gesundheit und Vitalität. Warum funktionieren sie so gut? Weil unser Gehirn am liebsten mit Bildern arbeitet. Mit Richtung. Mit Aufmerksamkeit. Wenn wir ein klares inneres Bild erzeugen, beginnt unser Fokus automatisch danach zu suchen. Niemand würde auf ein Vision-Board das Bild einer erschöpften Person oder einer Bruchbude pinnen und darunterschreiben: „NICHT DAS.“
Dennoch formulieren viele Menschen ihre Ziele innerlich genau so.

Zurück zum Klettern

Ich stand dort in der nassen Wand. Es regnet. Kalter Wind. Mein limitierender Gedanke „Ich darf jetzt nur nicht ausrutschen“ wurde mir gleich bewusst. Ich habe ihn unterbrochen und änderte den Fokus. Weg von „Bloß nicht ausrutschen“, hin zu „Ein Griff und ein Tritt nach dem anderen.“ Und plötzlich wurde der Kopf ruhig, und wir kamen sicher durch die letzte Seillänge.

Mini-Impuls für dich

Achte in den nächsten Tagen einmal bewusst darauf, wie du über deine Ziele denkst und sprichst.

Sagst du: „Ich will das nicht mehr“,
oder formulierst du klar, was du stattdessen wirklich willst?

Denn:
Ein Vermeidungsziel zeigt, wovor du wegläufst.
Ein Annäherungsziel zeigt, wohin du gehen willst.

Formuliere, was du wirklich willst, denn genau darin liegt oft der erste echte Schritt in die gewünschte Richtung.

Wenn du Führungskraft bist und an deinen Zielen arbeiten willst, ist das Führungskräfte-Coaching am Berg genau das richtige für dich.

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