Komfortzone erweitern klingt gut. Bis man sie wirklich verlässt.

Warum Wachstum oft dort beginnt, wo es unbequem wird.

Führungskräfte-Coaching am Berg Klettern, Rene Guhl Coach
Führungskräfte-Coaching am Berg Klettern, Rene Guhl Coach
„Ich möchte meine Komfortzone erweitern.“

Diesen Satz höre ich in Coachings immer wieder. Von Führungskräften, UnternehmerInnen und von Menschen, die spüren, dass etwas in Bewegung kommen soll.

Sie wollen mutiger werden, sich mehr zutrauen, ein schwieriges Gespräch führen, eine wichtige Entscheidung treffen, Nein sagen oder endlich etwas Neues beginnen.

Komfortzone erweitern klingt nach Aufbruch. Nach Entwicklung. Vielleicht sogar ein wenig nach Abenteuer.

Bis wir tatsächlich an den Punkt kommen, an dem es unbequem wird.

Genau deshalb gehe ich mit meinen Coaching-KundInnen auch mal klettern.

Nicht, weil es darum geht, besonders sportlich zu sein, einen Gipfel zu erreichen oder sich etwas beweisen zu müssen. Der Fels ist vielmehr ein außergewöhnlich ehrlicher Erfahrungsraum. Er macht unmittelbar sichtbar, was sich im Alltag oft gut verstecken lässt:

  • Zweifel.

  • Leistungsdruck.

  • Kontrollbedürfnis.

  • Der Wunsch nach Sicherheit.

  • Aber auch Mut, Vertrauen und die Fähigkeit, trotz Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.

Beim Klettern lässt sich die eigene Komfortzone unmittelbar spüren.

Am Anfang steht die Vorfreude draußen zu sein sein, sich bewegen, die Aussicht und das Gefühl von Freiheit. Dann wird die Wand steiler. Der nächste Griff ist kleiner als erwartet. Die Unterarme werden müde. Unter den Füßen wird die Luft plötzlich sehr weit.

Und auf einmal meldet sich nicht mehr der Abenteuergeist, sondern der innere Sicherheitsbeauftragte:

„Schaffe ich das wirklich?“
„Was, wenn ich abrutsche?“
„Vielleicht sollte ich lieber umdrehen.“

Dieser Moment kommt beim Klettern fast immer, wenn es schwierig wird. Und er kommt auch im Alltag, wenn viel Verantwortung auf uns liegt.

Denn die Komfortzone zu verlassen heißt nicht, sich sofort stark, mutig und befreit zu fühlen. Oft fühlt es sich zunächst ganz anders an: nach Unsicherheit, Stress und Selbstzweifeln. Nach dem Wunsch, möglichst schnell wieder dorthin zurückzukehren, wo alles vertraut und kontrollierbar ist.

Genau deshalb bleiben viele Menschen lieber in ihrer Komfortzone, obwohl sie sich eigentlich Veränderung wünschen.

Herausforderung oder Überforderung?

Zwischen „Das ist herausfordernd für mich“ und „Das ist zu viel für mich“ liegt ein entscheidender Unterschied.

In der Psychologie spricht man vom sogenannten Stresstoleranzfenster. Gemeint ist der Bereich, in dem wir gefordert, vielleicht angespannt oder unsicher sind, aber trotzdem noch klar denken, entscheiden und handeln können.

Dort entsteht Entwicklung, weil wir erleben:

Ich halte das aus. Ich kann damit umgehen. Ich muss nicht weglaufen, nur weil es gerade schwierig wird.

Beim Klettern bedeutet das manchmal, mitten in der Wand kurz innezuhalten. Nicht hektisch weiterzugreifen. Nicht sofort aufzugeben. Erst einmal atmen. Die Füße neu sortieren. Den Blick heben. Und sich fragen:

Was genau stresst mich gerade?

Ist es wirklich die Höhe?
Die Müdigkeit in den Armen?
Oder die Angst, den nächsten Zug nicht zu schaffen?

Allein diese Frage aus der Metaebene verändert etwas. Denn was wir benennen können, verliert oft ein Stück seiner Macht.

Eine Führungskraft erkennt vielleicht, wie schnell sie sich selbst unter Druck setzt. Ein Unternehmer bemerkt, dass er Hilfe erst sehr spät annimmt. Eine andere Person erlebt zum ersten Mal bewusst, dass eine Pause, ein Schritt zurück oder ein klares „Ich brauche kurz Zeit“ keine Schwäche ist.

Der Fels gibt ein ehrliches Feedback.

Und dieses Feedback lässt sich erstaunlich gut in den Alltag übertragen: in schwierige Gespräche, Führungsverantwortung, Konflikte, Entscheidungen und Veränderungen.

Nur der nächste Griff

Beim Klettern ist der Gipfel manchmal das denkbar schlechteste Ziel.

Wer nur nach oben schaut, sieht die Höhe, die Strecke und all das, was noch fehlt. Das kann entmutigend sein. Der Weg wird nicht kleiner, nur weil wir ihn auf einmal bewältigen wollen.

Dann hilft nur eine Frage:

Was ist jetzt der nächste erreichbare Griff?

Nicht der Gipfel. Nicht die gesamte Route. Nicht die perfekte Lösung für alles, was gerade schwierig ist.

Nur der nächste Griff.

Das ist oft der entscheidende Perspektivenwechsel. Und das gilt auch im (Berufs-)Alltag.

Wir müssen nicht sofort die große Veränderung schaffen. Nicht das ganze Konfliktgespräch gedanklich vorwegnehmen. Nicht den kompletten Berufswechsel planen. Nicht alle Sorgen auf einmal lösen.

Vielleicht geht es heute nur darum,

  • anzurufen,

  • eine ehrliche Rückmeldung zu geben,

  • eine Bewerbung zu schreiben,

  • eine Grenze zu setzen

  • oder einen Satz auszusprechen, den wir lange vermieden haben.

Ein kleiner Schritt ist nicht klein, wenn er in die richtige Richtung führt.

Und manchmal passiert dann etwas Erstaunliches: Der Griff, der eben noch unmöglich aussah, wird erreichbar. Nicht, weil die Kletterstelle leichter geworden ist. Sondern weil wir einen kleinen Tritt höher gestiegen sind.

Selbstvertrauen entsteht durch Erfahrung

In der Psychologie spricht man hier von Selbstwirksamkeit. Gemeint ist die Überzeugung, eine Herausforderung aus eigener Kraft bewältigen zu können.

Diese Überzeugung entsteht vor allem durch eigene Erfahrungen:

„Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“

Das ist auch der Grund, warum ein Gipfelmoment so besonders ist.

Der Gipfel ist nur das sichtbare Ergebnis. Die eigentliche Erweiterung der Komfortzone passiert unterwegs, genau in den Momenten, in denen wir zweifeln und trotzdem einen Schritt machen.

GO FOR IT!

Du möchtest deine Komfortzone erweitern?

Kein Problem. ;-) Ich unterstütze dich gerne.

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