Was deine Worte bei anderen auslösen.
Wie ein gut gemeinter Satz motivieren, oder das Gegenteil bewirken kann?
Der Abstand ist beruhigend.
Wie oft sagen wir etwas, weil wir einem Menschen Sicherheit geben möchten?
„Das wird schon.“
„Kein Problem.“
„Du bist gut vorbereitet.“
„Wir haben alles im Griff.“
Sätze, die beruhigen sollen. Sätze, die Vertrauen schaffen möchten. Und doch lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und sich zu fragen:
Was kommt bei meinem Gegenüber tatsächlich an?
Nicht nur: Was wollte ich sagen? Sondern auch: Welche Bilder entstehen? Welche Gedanken beginnen sich zu bewegen? Und welche Handlung könnte aus meinen Worten hervorgehen?
Vielleicht achtest du beim Lesen einmal darauf, wie du selbst solche Sätze verstehst. Vielleicht bemerkst du, dass ein und dieselben Worte bei verschiedenen Menschen etwas völlig Unterschiedliches auslösen können.
Ein Satz mit unerwarteter Wirkung
Einer meiner Klienten ist Läufer. Ein außergewöhnlich guter Läufer.
Er ist mehrere Marathons unter drei Stunden gelaufen. Bei einem heimischen Lauf gewann er sogar sechzehn Jahre in Folge die Gesamtwertung.
Während unserer Zusammenarbeit erzählte er mir von einem Wettkampf, der ihm bis heute in Erinnerung geblieben ist. Die Strecke war anspruchsvoll und von zahlreichen Anstiegen geprägt. Wie so oft lag er in Führung. Doch die vielen Hügel versperrten ihm den Blick auf seine Konkurrenz. Er konnte nicht erkennen, wie groß sein Vorsprung tatsächlich war.
Ein Supporter begleitete ihn mit dem Fahrrad. Irgendwann drehte dieser um, um den Abstand zum Zweitplatzierten zu überprüfen. Wenig später kehrte er zurück.
Und sagte überzeugt:
„Der Abstand ist beruhigend.“
Natürlich war dieser Satz positiv gemeint. Der Vorsprung war tatsächlich so groß, dass der Supporter nicht mehr damit rechnete, dass der Zweitplatzierte ihn einholen könnte.
Doch während mein Klient weiterlief, geschah etwas Unerwartetes.
Sein Tempo wurde unbemerkt langsamer.
Der Zweitplatzierte holte auf. Und am Ende lief mein Klient mit einem Vorsprung von gerade einmal einer Sekunde als Erster ins Ziel.
Aber was ist passiert?
Die Aussage des Supporters hat eine andere Wirkung entfaltete als beabsichtigt.
Wenn Worte anders wirken als gewünscht.
„Der Abstand ist beruhigend“ könnte für einen Läufer bedeuten:
„Ich kann meinem Rhythmus vertrauen.“
„Ich darf mich auf meine Atmung konzentrieren.“
„Ich habe die Situation im Griff.“
„Ich bleibe aufmerksam und laufe weiter.“
Für meinen Klienten entstand offenbar eine andere innere Übersetzung:
„Du bist weit vorne.“
„Der Zweite ist keine unmittelbare Gefahr.“
„Du kannst dich entspannen à beruhigen.“
„Du musst nichts Entscheidendes mehr tun.“
„Du musst dich nicht mehr besonders anstrengen.“
Und während er diese Bedeutung vielleicht unbewusst aufnahm, veränderte sich möglicherweise sein innerer Zustand. Die Spannung ließ nach. Das Wettbewerbsgefühl nahm ab. Der Körper fand einen ruhigeren Rhythmus.
Der Satz hatte nicht einfach eine Information übertragen. Er hatte seine Aufmerksamkeit gelenkt.
Worte werden nicht nur gehört. Sie werden innerlich weiterverarbeitet. Jeder Mensch ergänzt sie durch seine eigene Geschichte und inneren Landkarte.
Vielleicht bemerkst du gerade, wie auch deine eigenen häufig verwendeten Sätze unterschiedliche Wirkungen haben könnten. Und vielleicht wird dir bewusst, dass gute Absicht allein noch keine hilfreiche Kommunikation garantiert.
Was wäre hilfreicher gewesen?
Vielleicht hätte der Supporter sagen können:
„Du hast einen Vorsprung von drei Minuten. Bleib bei deinem Tempo und konzentriere dich auf den nächsten Anstieg. Der Wettkampf ist noch nicht vorbei.“
Diese Aussage beruhigt nicht nur. Sie orientiert.
Fakt: Der Vorsprung beträgt drei Minuten.
Handlung: Das Tempo halten.
Fokus: Den nächsten Anstieg bewältigen.
Einordnung: Das Rennen läuft weiter.
Der Läufer erhält damit nicht bloß ein gutes Gefühl, sondern eine klare innere Ausrichtung. Er kann die Information prüfen, seinen Fokus wählen und den nächsten Schritt gehen.
Unsere Verantwortung guter Kommunikation ist nicht nur das auszusprechen, was wir meinen, sondern auch mitzudenken, was unsere Worte beim anderen in Gang setzen könnten.
Denn Sprache begleitet Menschen. Sie kann ihnen den Blick verengen oder erweitern. Sie kann sie beruhigen, oder sie dabei unterstützen, wach, klar und handlungsfähig zu bleiben.
Vielleicht kannst auch du in deiner nächsten wichtigen Unterhaltung darauf achten, welche Handlung deine Worte wahrscheinlicher machen. Nicht, um jedes Wort zu kontrollieren. Sondern um bewusster zu kommunizieren.
Drei Fragen für deine Kommunikation
Achte in den nächsten Tagen einmal auf einen Satz, den du häufig verwendest. Vielleicht „Das wird schon“ oder „Kein Problem“.
Und dann frage dich:
Was soll mein Gegenüber konkret wissen?
Worauf soll seine Aufmerksamkeit gerichtet sein?
Welche Bedeutung könnte er meinen Worten geben?
Wenn du unsicher bist, öffne den Raum für Rückmeldung:
„Was bedeutet das für dich?“
„Was nimmst du aus meiner Aussage mit?“
„Was wäre jetzt hilfreich für dich?“
Vielleicht überrascht dich, welche Gedanken beim anderen angekommen sind. Vielleicht erkennst du dabei auch, wie leicht sich Missverständnisse auflösen lassen, wenn Menschen offen aussprechen dürfen, was sie gehört haben.
Nicht unsere Absicht entscheidet über die Wirkung eines Satzes, sondern das, was er im anderen in Bewegung setzt.
Du hast große Ziele und suchst einen Supporter?
Dann melde dich gerne bei mir.
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